Stabilität & Agilität: Wie der CIO zwischen den Welten navigiert

ERP-System erleben in den letzten Jahren eine Renaissance. Galt das Thema vor Jahren als überholt, weil ja jedes Unternehmen bereits ein ERP-System im Einsatz hat und man deshalb wenig Potenzial für weitere Verbesserungen gesehen hat, rückt das ERP-System heute als „Digitales Rückgrat“ wieder stärker in den Mittelpunkt. Und genau das ist es – und wird es in Zukunft auch bleiben. Es schafft die vertikale Integration zwischen Strategie und operativem Geschäft. Dies geschieht zum Beispiel im Prozess der strategischen Planung, der Vorgaben für die operative Absatz- und Produktionsplanung liefert. Es verbindet aber auch die funktionalen Teilbereiche des Unternehmens miteinander. Dies wird durch Prozesse sichergestellt, bei denen Vertrieb, Produktion, Beschaffung, Controlling und Vertrieb direkt miteinander verbunden werden.

Abbildung einer betrieblichen Wertschöpfungskette

Abbildung 1: Betriebliche Wertschöpfungskette

In der prozessorientierten Auswahl der richtigen und passenden Prozesstypen in SAP ERP (z.B. Lagerfertigung, Chargenfertigung, Vorplanung auf Baugruppenebene, konfigurierbare Produkte, Einzel- und Projektfertigung) und dem entsprechenden Customizing liegt die große Kunst der Gestaltung und in vielen Unternehmen schlummern hier noch viele Potenziale. Gleichzeitig beschäftigen sich viele CIO’s mit der Frage:

Soll ich auf S/4 HANA migrieren? Wenn ja, wann ist der richtige Zeitpunkt und was ist das richtige Szenario?

Vorteile von S/4HANA: Moderne Prozesse + modernes Reporting mit Embedded Analytics

Grundsätzlich bietet S/4HANA große Vorteile für die Neuordnung und Neugestaltung der Strukturen im Rechnungswesen. Durch die Umstellung des Zweikreis- auf das Einkreissystem durch die neue zentrale Tabelle „Universal Ledger“ entfällt viel Abstimmungsaufwand beim Monatsabschluss (z.B. entfällt künftig die Suche nach Differenzen zwischen CO-PA (der Komponente für die Markt- und Segmentergebnisrechnung und dem FI). Finanzprozesse werden dadurch erheblich schneller. Die Komponente „Embedded Analytics“ integriert das operative Reporting in den Geschäftsprozess. Auf Basis eines virtuellen Datenmodells von S/4HANA (Core Data Services) können Kennzahlen künftig einfacher definiert und berechnet werden. Der Nutzen für den Anwender ergibt sich aber vor allem darin, dass ihm die notwendigen Kennzahlen rollen- bzw. prozessspezifisch bei der Bearbeitung einer Transaktion angezeigt werden. Dies geschieht mit den FIORI-Apps, die einen neuen Standard für die Benutzerfreundlichkeit des ERP-Systems setzen.

Ein Beispiel

Im Beschaffungsprozess spielt die Auswahl des Lieferanten eine große Rolle. Künftig kann sich der Einkäufer alle relevanten KPIs zum Lieferanten (Termintreue, Qualitätsnoten, Konditionen, Ausschöpfung von Rahmenverträgen etc.) direkt im Einkaufsprozess zur Verfügung stellen lassen. In der PIKON haben wir gerade zu diesem Beispiel eine Live-Demo eingerichtet, die wir Ihnen gerne in einem Skype-Meeting vorführen – kurze Mail an unseren Herrn Michael Müller reicht aus.

Gestaltungsmöglichkeiten durch Embedded Analytics in den Logistikprozessen

Obwohl in den Logistik-Modulen von S/4HANA sich die Funktionalität nicht sehr verändert hat, ergeben sich durch „Embedded Analytics“ neue Gestaltungsmöglichkeiten für die Logistik-Prozesse mit S/4HANA. Mit Embedded Analytics wachsen Daten (KPI) und Prozess zusammen. Damit geht man auch erste Schritte in Richtung der datenbasierten Automatisierung von Geschäftsprozessen.

Seit längerem stellen uns viele Kunden die Frage, ob man dann noch eine eigene Business Warehouse-Architektur benötigt. Unsere Meinung dazu ist klar und eindeutig: JA! Nämlich vor allem für systemübergreifende Auswertungen, die Analyse unstrukturierter Daten und das strategische Reporting, wogegen der größte Teil des operativen Reportings mit Embedded Analytics direkt in S/4HANA erfolgt.

Zielbild einer S/4HANA Architektur

Abbildung 2: Architektur S/4HANA + BW/4HANA

Die Abbildung zeigt diese Architektur. Sie bildet einen stabilen Rahmen für die Abbildung und Analyse von Prozessen und Daten.

Prozessinnovationen dank Design-Thinking

Unternehmen brauchen neben diesem stabilen Rahmen in Zukunft auch die Möglichkeit neue Ideen für die Verbesserung ihrer Prozesse zu entwickeln und auszuprobieren. Quasi ein Prozesslabor. Innovationen müssen schnell entwickelt und getestet werden. Als Methode für die Entwicklung solcher Ideen eignet sich der Design-Thinking-Ansatz sehr gut. Die folgende Abbildung zeigt die einzelnen Phasen des Innovationsprozesses:

Schema Ablauf der Design-Thinking Methode

Abbildung 3: Design-Thinking Methode

Design Thinking beginnt damit, sich im ersten Schritt in die Situation der Zielgruppe einzudenken und einzufühlen. Dann wird gefragt, was der Benutzer wirklich braucht, was ihm hilft, wo sein größter Engpass ist. Auf dieser Basis werden dann so viele Ideen wie möglich gesammelt. Anschließend wird für eine oder mehrere Ideen ein Prototyp gebaut. Dies ist zuerst nur die Visualisierung der Idee in Form von Skizzen und Zeichnungen. Anschließend entstehen dann die ersten Konturen von neuen Anwendungen.

Agile Softwareentwicklung in der SAP Cloud Platform

Es empfiehlt sich diese Anwendungen zunächst außerhalb der oben beschriebenen Architektur zu entwickeln. Beispielsweise innerhalb der SAP Cloud Platform. Dabei können Daten und Funktionen des Systems S/4HANA (z.B. als BAPI’s) genutzt werden. Es lassen sich Funktionen entwickeln, die Prozesse innerhalb von S/4HANA automatisieren, vereinfachen oder komplettieren. Es entstehen schrittweise integrierte S/4HANA Apps.

Derzeit entwickeln wir für einen unserer Kunden eine Integrationslösung auf Basis der SAP Cloud Platform Integration. Dabei werden Non-SAP-Systeme zur Abrechnung von Leistungen mit SAP ERP kommunizieren. Diese stellen wir im Rahmen eines Vortrags auf dem diesjährigen DSAG-Jahreskongress in Bremen vor.

Durch die rasante Entwicklung innerhalb des ERP-Systems S/4HANA aber auch im SAP Cloud Umfeld, bietet die SAP mittlerweile genau die Möglichkeiten um den Spagat zwischen Agilität und Stabilität zu schaffen. Egal ob ERP Basisprozesse im S/4, über Embedded Analytics und BW/4HANA oder Innovationsapplikationen in der Cloud Platform, alle diese Werkzeuge bilden die Grundlage, vom alten Wasserfallmodell abzurücken und agiler zu werden, ohne die Stabilität eines ERPs als digitales Rückgrat ins Wanken zu bringen.

 

Bildnachweise

Fotolia – #111553698 – @ satyrenko

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