PIKON auf dem Weg zu New Work

Wie viele Unternehmen beschäftigen wir uns auch in der PIKON sehr intensiv mit der Frage, wie Menschen bei uns in Zukunft arbeiten wollen. Vor einiger Zeit haben wir deshalb unsere Mitarbeiterin Sabine Heib dafür gewonnen, sich mit Themen der „Strategischen Organisations- und Personalentwicklung“ zu beschäftigen. Sie ist bereits seit 20 Jahren bei uns und hat maßgeblichen Anteil am Aufbau des Rechnungswesens und der Internen Organisation der PIKON. Jetzt darf, jetzt soll sie sich fulltime mit ihrem neuen Lieblingsthema New Work beschäftigen. Als Vorstand begleite ich sie dabei. Oder soll ich sagen wir begleiten und beraten uns gegenseitig und suchen nach neuen Wegen.

Wie gestaltet sich das Arbeitsleben heute – wodurch wird es beeinflusst?

Klar ist, dass die Zukunft der Arbeit bereits begonnen hat. Folgende Trends kennzeichnen dabei die derzeitige Situation:

  • Die Bedeutung von klassischen (Macht-) Hierarchien sinkt.
  • Die Bedeutung schöpferischer Arbeit steigt.
  • Immer mehr klassische, auch anspruchsvolle Aufgaben werden künftig von Instrumenten der KI erledigt – die PIKON hat dazu ein eigenes Lab ins Leben gerufen.
  • Mitarbeiter dürfen und können und sollen mehr unternehmerische Mitverantwortung übernehmen
  • Entscheidungen auch zu grundsätzlichen Themen müssen schneller getroffen werden, wenn man am Markt nicht ins Hintertreffen geraten will (Agilität).
  • Für Mitarbeiter und die PIKON ergeben sich daraus viele Chancen aber auch Risiken. Sie können zum Beispiel noch mehr selbstbestimmt arbeiten. Gerade diesen Aspekt sind wir in der PIKON durch die Projektarbeit eigentlich schon gewohnt. Aber auch bei uns wird sich das weiter verstärken. Zum Beispiel werden wir unsere Leistungen und Produkte schneller weiterentwickeln und anpassen müssen.

Inspiration für New Work bei PIKON

Holen Sie sich für Ihr New Work Konzept so viele Inspirationen wie sie können. Für PIKON waren Sabine Heib und ich z.B. im Februar auf der „New Work Experience“, einem von XING ausgerichteten Kongress mit vielen Vor- und Mitdenkern, die sich ebenfalls mit diesen Fragen der „neuen Arbeit“ beschäftigen. Es war eine großartige und inspirierende Veranstaltung in einer tollen Umgebung, der Elbphilharmonie in Hamburg. Wir haben viele neue Gedanken gesammelt, wie die Arbeit der Zukunft aussehen könnte. Wie man organisieren, führen und kommunizieren könnte. Herausragende Referenten wir Prof. Gerald Hüther oder Frederic Laloux wechselten sich mit Praxisberichten ab. Wir fahren im nächsten Jahr wieder hin!

Zusätzlich haben wir den Brückentag am 31.5 genutzt und uns mit Hans-Jürgen Frank und Paul Habbel, zwei weiteren Impulsgebern auf diesem Gebiet, getroffen. Hans-Jürgen Frank ist Dialogarchitekt und begleitet Projekte und Prozesse der Zusammenarbeit in Firmen, internationalen Organisationen und Regierungen. Er bringt dabei die Strategien ein, die Künstler nutzen, wenn sie Neues schaffen. Frank sagt: „Das ist gerade heute wichtig, wenn herkömmliche Methoden und Denkmodelle nicht mehr greifen.“ Frank ist deshalb gerade dabei dafür eine Schule aufzubauen: die „Kunstakademie für Business: gemeinschaftsverantwortlich gestalten und wirtschaften“.

Paul Habbel hingegen war lange Jahre der Geschäftsführer der Gutmann Aluminium Draht GmbH und gilt als Pionier auf dem Gebiet der sich selbst steuernden Unternehmen (siehe auch: https://www.purpose-driven.world/cases/gutmann-aluminium-draht/). In einer Unternehmenskrise begann er schon 2009 damit, für und mit dem Unternehmen eine komplett neue Organisationsform zu entwickeln. Und damit lange bevor Frederic Lalouxs Buch „Reinventing Organisations“ das Thema einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte. Im Zuge der Neuausrichtung von Gutmann wurden viele Hierarchieebenen abgeschafft und die Gruppen organisieren sich seitdem weitgehend eigenständig. Dem Ganzen liegt der Gedanke zugrunde, dass die Unternehmen am erfolgreichsten sind, die gemeinsam mit ihren Mitarbeitern dem Sinn ihrer gemeinsamen Aktivitäten auf die Spur kommen. Im Englischen spricht man auch von „purpose- driven“ Unternehmen, deren Anspruch weit über wirtschaftlichen Erfolg hinausgeht. Denn der „Sinn“ eines Unternehmens kann es nie sein, nur Gewinne zu erzielen. Gewinne sind Ergebnisse der unternehmerischen Tätigkeit und Existenzgrundlage. Sinn ist etwas anderes, größeres. Mit dem Sinn eines Unternehmens wird die Frage beantwortet, warum ein Unternehmen existiert.

New Work gestalten durch das Besinnen auf den Sinn des Unternehmens

Machen Sie sich gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern Gedanken, was Ihr Unternehmen ausmacht, was es antreibt. Das ist nicht nur für authentische, erfolgreiche Produkte und ihre Vermarktung wichtig, sondern auch als Motivator für sich selbst organisierende Teams im Unternehmen.

Bei PIKON sind wir diesem Gedanken bereits im Jahr 2012 in dem Video von Simon Sinek begegnet. Auch er spricht in seinem 20-minütigen Vortrag davon, dass Unternehmen ihr „Why“ entdecken und definieren müssen, statt sich immer nur über das „Was“ (z. B. die Produkte) oder das „Wie“ (z.B. die Services oder die Vertriebs- und Marketingstrategien) nachzudenken. Bei uns hat das unter anderem dazu geführt, dass wir unser Mission Statement der PIKON neu definiert haben und uns heute als 3-Punkt-Unternehmen Mensch-IT-BWL sehen. Der Gedanke fußt auf der Überlegung, dass diese Dimensionen in einem Spannungsfeld zueinanderstehen und sich wechselseitig beeinflussen. In unseren Projekten sind seitdem Business Communication und Change Management feste Bestandteile. Viele Kunden entscheiden sich zum Beispiel bei großen S/4HANA-Projekten aufgrund dieses Ansatzes für die PIKON. Mit Janosch Weißkircher haben wir vor kurzem auch einen Change Management Berater gewonnen, der aus dem sozialwissenschaftlichen Umfeld kommt und eine Ausbildung als systemischer Coach absolviert hat. Er schreibt demnächst auch seine Dissertation in der PIKON zu diesem Thema – wir sind schon sehr gespannt.

Änderungen an den IT-Systemen durch New Work

In unserem Gespräch mit Hans-Jürgen Frank und Paul Habbel kamen wir nach einem ersten Gedankenaustausch sehr schnell auf die Frage, ob denn die IT-Systeme in der neuen Arbeitsorganisation der Zukunft grundsätzlich anders aufgebaut werden müssen als die, die wir heute kennen. Dabei haben sich folgende Punkte ergeben.

  • Erstens bietet z. B. SAP S/4HANA als informationstechnisches Rückgrat eines Unternehmens schon heute sehr weitreichende Einstellungsmöglichkeiten, um die Abläufe den Prozessanforderungen anzupassen. Das gilt zumindest dann, wenn man sich für die On-Premise-Lösung entscheidet, während Lösungen in der Public Cloud sehr auf standardisierte Prozesse setzen, die eher wenig Spielraum für individuelle Gestaltung lassen.
  • Zweitens kommt hinzu, dass es sich bei der SAP-Architektur um eine offene Systemlandschaft handelt. Die Funktionen des ERP-Systems S/4HANA können somit sehr gut durch Satelliten-Systeme erweitert werden, ohne die grundsätzlichen Abläufe zu gefährden. Solche Erweiterungen können zum Beispiel als cloudbasierte Standardsoftware genutzt werden oder als individuelle Erweiterungen zum SAP Standard entwickelt werden.
  • Drittens haben wir darüber gesprochen, ob IT-Systeme der Zukunft nicht völlig neu gedacht werden können. Insbesondere Hans-Jürgen Frank sieht heutige IT-Lösungen noch recht weit von den wesentlichen Anforderungen der Arbeitsweise in sich selbst organisierenden Unternehmen entfernt. Er fordert eine völlig neue Navigation im Einklang mit den darunter liegenden Strukturen von Softwaresystemen, die dem Anwender zu jeder Zeit das Gefühl gibt, dass er weiß an welcher Stelle im Prozess er sich bewegt, welche Möglichkeiten er hat und was als nächstes zu tun ist. Frank meint: „Es gibt noch ein großes Potential wie Computer-Systeme mit ihren Strukturen und Prozessen der menschlichen Wahrnehmung und den menschlichen Arbeitsweisen entgegenkommen können. Dies gilt gerade, wenn gemeinschaftliche Entwicklungsprozesse und kreative Vorgänge gebraucht werden um für zukunftstaugliche Lösungen neue Wege zu beschreiten und unbekanntes, unsicheres Terrain zu betreten.“
    Diese Frage ist für uns bei PIKON am schwierigsten zu beantworten. Bislang glaube ich noch immer, dass ein ERP-System mit seinen klassischen Funktionen zur Abbildung der Prozesse in Vertrieb, Produktion, Materialwirtschaft und dem Finanz- und Rechnungswesen ein gutes informationelles Rückgrat bildet. Zumindest Unternehmen, die klassisch etwas herstellen, dürften damit noch lange Zeit gut bedient sein. Folgt man diesem Gedanken werden die Innovationen wohl eher durch Satelliten-Systeme, wie oben erwähnt, kommen.
Flipchart aus dem Workshop
Gedanken aus dem Workshop…

Wir werden gemeinsam weiter über diese Themen nachdenken und würden uns freuen, wenn recht viele mit uns diskutieren – vielleicht auch hier in unserem Blog?

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