S/4HANA Embedded Analytics: Prozess und KPI werden eins!

Seit Ende der 1990er Jahre besteht ein Paradigma, dass transaktionale ERP-Systeme zur Abbildung der betrieblichen Wertschöpfungskette (siehe Abbildung) und analytische Systeme für Analyse, Reporting und Planung in getrennten Systemen abgebildet werden müssen.

Die im ERP abgebildete betriebliche Wertschöpfungskette mit den Schnittstellen der einzelnen Bereiche zueinander
Abbildung 1: Die betriebswirtschaftliche Wertschöpfungskette

Ein Data Warehause saugt aus den operativen Systemen Daten ab und bereitet sie in eigenen Front-End-Werkzeugen benutzer- und rollenspezifisch auf.

So funktioniert Planung und Reporting mit Business Intelligence
Abbildung 2: Architektur Business Intelligence

Embedded Analytics geht neue Wege

Damit ist jetzt zumindest teilweise Schluss. Denn was das operative Reporting angeht, kehrt die entsprechende Funktionalität zurück ins ERP-System S/4HANA!

Vom ERP System zum Data Warehouse

Menschen meiner Generation – sagen wir mal 45+ – erinnern sich gut an die stiefmütterlichen Analyse-Tools des Systems SAP ERP. Das LIS (Logistik-Informationssystem), VIS (Vertriebsinformationssystem), EIS (Einkaufsinformationssystem) oder des BIS (Bestandsinformationssystem) erfreuten sich niemals großen Zuspruchs. Und das ist noch ein vorsichtiger Duktus. Zu viele Begrenzungen (z. B. die Anzahl der Schlüsselbegriffe einer so genannten Infostruktur), ein umständlicher Aufbau der Statistikdateien und fast gar keine Flexibilität für die eigene Datenrecherche. Vor allem aber war an modulübergreifende Auswertungen gar nicht zu denken. Das war starker Tobak – denkt man vor allem daran, dass der Nutzen eines ERP-Systems auf transaktionaler Ebene vor allem in der nahtlosen Integration unterschiedlicher Module liegt und beispielsweise ein Warenausgang in der Materialwirtschaft quasi in Echtzeit eine Buchung in der Finanzbuchhaltung auslöst.

Vom Data Warehouse über BI zu Embedded Analytics

Keine Frage, mit der Einführung von Data Warehouse-Systemen, die sich dann zu kompletten Business-Intelligence-Architekturen weiterentwickelten, wurde vor allem das Thema der Benutzerfreundlichkeit besser. Auch bereichsübergreifende Analysen wurden – zumindest theoretisch – ermöglicht. In der Praxis blieben diese jedoch wegen der komplexen Verknüpfung der Daten weiterhin eine Seltenheit.

Jetzt, mit S/4 HANA und Embedded Analytics wird es besser. Wo bei SAP ERP LIS und VIS gravierende Schwachpunkte waren, ist Embedded Analytics zu einem der wichtigsten Vorteile des Systems S/4HANA. Technologisch wird die Voraussetzung dafür durch ein virtuelles Datenmodell geschaffen, das integraler Bestandteil der S/4HANA-Architektur ist:

Die Core Data Services:

Planung und Reporting bei S/4HANA ziehen ihre Daten über die Core Data Service Views aus den HANA Datenbank Tabellen
Abbildung 3: Architektur S/4HANA mit Core Data Services

Während die physischen Tabellen direkt auf der HANA-Datenbank als flache Tabellen liegen, ermöglichen die Core Data Services einen virtuellen Blick auf diese Daten. Damit können KPI definiert werden, deren Datenbasis in unterschiedlichen physischen Tabellen liegt. Der Benutzer sieht dann nur das Ergebnis in einer Kachel. So kann zum Beispiel das Zahlungsverhalten des Kunden, die Termintreue eines Lieferanten, die Bestandsinformation zu einem Produkt in einer Kachel als KPI angezeigt werden. Der Benutzer erhält abhängig von seiner Rolle (z. B. als Einkäufer, Mitarbeiter im Vertriebsinnendienst oder als Controller) kontext- oder prozessspezifisch die Informationen angezeigt, die er für eine Entscheidung benötigt. Damit verändern sich Entscheidungsprozesse in digitalen Unternehmen natürlich radikal. Oder sagen wir mal: Zumindest besteht die Möglichkeit dazu, wenn Unternehmen den Mut haben, Entscheidungen an die Front zu verlagern, wie Anirban Kundu von der SAP das in seinem Blog beschreibt. Auf der Basis der vorliegenden Informationen aus dem Embedded Analytics lassen sich Entscheidungen auch automatisieren und damit der Prozess weiter beschleunigen.

Embedded Analytics aus der 3-Punkt-Perspektive

Doch betrachten wir das abschließend aus der 3-Punkt-Perspektive Mensch-IT-BWL: Es zeigt sich deutlich wie die Informationstechnologie zu einem Treiber für neue betriebswirtschaftliche Prozesse wird. In diesem Fall sind das Prozesse, in denen der Anwender bei der Ausführung einer operativen Transaktion kontextspezifisch alle notwendigen Informationen zur Verfügung hat. Jetzt kommt es darauf an, ihm die erforderlichen Befugnisse zu geben, damit die Potenziale auch zu echter Beschleunigung führen. Es kommt aber auch darauf an, die Anwender für diese Veränderung zu gewinnen. Schließlich bringen mehr Entscheidungskompetenzen auch mehr Verantwortung mit sich. Deshalb kommt es darauf an, die Betroffenen früh in diese Veränderungen einzubinden und ihnen den Sinn der Neugestaltung zu vermitteln. Aktives Change-Management und eine innovative Projektkommunikation sind deshalb unerlässlich.

Unser Schwerpunkt auf dem TDWI

Auf der diesjährigen TDWI-Konferenz in München zeige ich im Rahmen des SAP & Partner Special Days zusammen mit Benjamin Duppe aus unserem Bereich Business Intelligence eine Live-Demo zu „Embedded Analytics“. Wir erläutern dabei auch Hintergründe und Potenziale dieser Technologie. Aus meiner Sicht ist stellt Embedded Analytics eine der entscheidenden Verbesserungen dar, die das neue ERP-System S/4HANA zu bieten hat. Gerne halten wir diesen Vortrag auch Inhouse bei Ihnen oder diskutieren mit Ihnen Ihre konkreten Fragen.

 

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